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  Vertical-Magazin (3/09) Interview: "Wir sind ein Rampensaustall!"
19.05.2009 | 22:12 Uhr
   
 

Interview im Vertical-Magazin, Ausgabe März 2009


Lange war es still um die Krefelder Band New Damage. Doch beim Contest "Rock zum Ring" haben sich Christian Surkamp (Gitarre), Peter Höttges (Bass) und Thorsten Marach (Schlagzeug) eindrucksvoll zurück gemeldet - mit einem neuen Sänger in ihren Reihen.
Er heißt Ingo Bajonczak, kommt aus Mönchengladbach und hat New Damage zu ihrem zweiten musikalischen Frühling verholfen.

Was bedeutet der Sieg beim Contest "Rock zum Ring" für euch?
Christian: Der bedeutet uns natürlich sehr viel. Wir sind heiß darauf, das High8-Festival zu rocken und stolz, dass wir gewonnen haben. Wir waren ja lange genug bühnenabstinent.

Das hatte auch seine Gründe: Sänger Jerry Ülker hat die Band verlassen. Warum?
Thorsten: Das hatte gesundheitliche Gründe. Jerry hatte einen Hörsturz und auf beiden Ohren einen Tinnitus. Unter diesen Voraussetzungen ist es natürlich schwer, Musik zu machen, wie wir sie machen - und vor allem in der Lautstärke.

Was hat das bei euch ausgelöst?
Thorsten: Christian, Peter und ich haben da gestanden und uns gefragt, wie es weitergehen soll. Dass es für uns weitergeht, war eigentlich klar. Wir wollten immer zusammen Musik machen und haben uns deshalb auf die Suche nach Ersatz gemacht. Zuerst haben wir überlegt, ob wir jemanden aus dem Bekanntenkreis kennen. Lustig war, dass Christian irgendwann Ingo gefragt hat, ob er nicht jemanden kenne, der Lust hätte. Und Ingo sagte darauf nur : "Ja, mich!"

Und wieso habt ihr euch dann für Ingo entschieden?
Christian: Wir haben uns erst einmal zum Proben verabredet. Das war eine große Umstellung. Klar, wenn man acht Jahre lang mit einem Sänger geprobt hat, dann ist das erst einmal ungewohnt. Peter hat immer das Beispiel gebracht: Das ist so, wie nach einer langen Beziehung mit einer anderen Frau zu schlafen. Aber wir haben nach und nach festgestellt: Oh, das passt verdammt gut. Außerdem haben wir dadurch, dass Ingo einen anderen Gesangsstil hat, ganz andere musikalische Sachen ausgelebt, die wir vorher so nicht gemacht haben mit New Damage. Wir sind musikalisch insgesamt härter und progressiver geworden und entwickeln uns eher in eine andere Richtung als früher. Jerry war mehr der rockig-soulige Sänger. Ingo singt auch melodiös, ist aber eher der aggressivere Typ vom Gesangss til her. Neuerdings gibt es deswegen auch Shout- und Growl-Parts in unseren Stücken.

Seid ihr froh über diese "erzwungene" musikalische Weiterentwicklung?
Peter: Ich bin sehr froh. Auch weil Ingo und ich vom Background her auf der gleichen Ebene liegen - und er das auch musikalisch einbringt, was mich natürlich sehr freut. Ich war auch derjenige, der dieses Progressivere und Härtere immer wollte. Deswegen rennt er damit bei mir offene Türen ein. Bei mir hat die Umgewöhnungsphase auch nicht ganz so lange gedauert wie bei den anderen. Aber man muss ganz klar sagen: Wir haben mit Jerry nicht nur einen Sänger verloren, sondern auch einen Typen, mit dem wir die Band aufgebaut und die ersten Schritte gemacht haben. Das war schon ein Schock, als er aufgehört hat. Bei mir gab´s damals auch so einen leicht depressiven Ansatz: Wie geht es jetzt weiter? Geht es überhaupt weiter? Aber das liegt wohl auch daran, dass ich eher der pessimistische Part in der Band bin. Das hat sich dann aber sehr in Wohlgefallen aufgelöst, wie das so oft im Leben ist. Man weiß erst nachher, was dieser Schnitt vorher gebracht hat oder warum er passieren musste.

Wir reden die ganze Zeit über dich, Ingo. Wie fühlst du dich denn bei New Damage?
Ingo: Ich fühle mich sehr wohl. Anfangs war es so, dass ich mit Christian Kontakt hatte und mir gedacht habe: "Warum nicht? Die Jungs stehen schon länger auf dem Schlauch und können keine Musik mehr machen. Lass uns das mal ausprobieren, vielleicht funktioniert´s ja." Ich war selber neugierig darauf, ob meine Stimme zum Sound von New Damage passt, weil Supersoma, meine andere Band, von der Musikrichtung her doch eine ganz andere Ecke ist. New Damage war eine neue musikalische Herausforderung für mich. Ich wollte sehen, ob ich mit meiner Stimme Jerrys Songs interpretieren kann. Witzigerweise hat das sehr gut funktioniert. Wir haben uns sogar so gut verstanden, dass wir sofort angefangen haben, an neuem Song Material zu schreiben. Jetzt sind wir sogar so weit, dass wir bald eine neue CD am Star t haben.

Das knüpft an meine nächste Frage an: Was bringt 2009 für euch?
Christian: Wie gesagt, die neue CD steht jetzt an. Wann sie erscheint, steht aber noch nicht fest. Sie ist eigentlich fertig. Aber im Moment sind wir im Kontakt mit einem Label. Da wird sich noch entscheiden, ob da eine Zusammenarbeit zustande kommen wird oder nicht. Es wäre natürlich schön, weil das eine enorme Entlastung in Sachen wie Promotion und Vertrieb bringt. Mit einem Label im Rücken kann man einfach wesentlich mehr Leute erreichen, wegen Promo etc..

Auch ein Management kann enorme Entlastung bringen. Gibt´s da was Neues?
Christian: Birgit Weber hat sich dazu bereit erklärt, Management und Booking für uns zu machen. Dafür sind wir natürlich super dankbar, weil das genau die Unterstützung ist, die wir uns seit Ewigkeiten gewünscht haben. Es ist zeitlich einfach nicht möglich, Musik zu machen und sich nebenbei noch um den organisatorischen Aspekt zu kümmern, besonders wenn man sich sein täglich Brot verdienen muss. Ohne Management u. Booking hat man da begrenzte Möglichkeiten.

Hat sich denn eure Live-Performance mit Ingo ebenfalls verändert?
Christian: Ja, definitiv. Sie ist anders. Ingo ist ein deutlich extrovertierterer Typ als Jerry. Jerry war eher ruhiger und kam eher charismatisch rüber. Und Ingo gibt richtig Vollgas auf der Bühne.
Ingo: Willst du etwa sagen, ich bin nicht charismatisch?
Christian: Das bist du natürlich auch (lacht). Ingo kommuniziert mehr mit dem Publikum, das ist eine richtige Rock´n´Roll-Show. Das finden wir extrem gut und wir werden in Zukunft bestimmt noch einigen ordentlich den Arsch versohlen.

Fans sind ja oft empfindliche Wesen. Wie haben die auf eure neuen musikalischen Schritte reagiert?
Christian: Ich war sehr positiv überrascht. Ich kenne Krefeld und weiß , wie hier das Publikum manchmal so drauf ist. Es ist nicht immer einfach (lacht). Jerry war damals unser Sound-Aushängeschild, viele waren von seinem Stil begeistert. Deswegen war ich anfangs ein bisschen skeptisch. Aber nach den ersten Gigs sind die Leute auf uns zugekommen und haben gesagt: "Das ist total geil!" Manche meinten sogar: "Das ist noch besser! Das hat euch vorher noch gefehlt." Die Leute waren echt begeistert. Und das hat uns natürlich total gut getan. Das Feedback zu kriegen, dass es eine gute Entscheidung war, Ingo in den ReRecall einzuladen und nachher in die Band zu nehmen (lacht).

Beinharte Casting-Bedingungen, was?
Christian: Ja, das war unser Running-Gag. Wir hatten ja schließlich keine anderen Bewerber zur Auswahl, aber wir haben uns nach jeder Probe hingesetzt und gesagt: "Du bist noch eine Runde weiter, du bist im Recall, du bist im ReRecall." Und nachher haben wir hier als Jury gesessen und verkündet: "Du bist in der Band!"
Peter: Was das Feedback angeht: Ich habe von vielen Leuten, die uns seit Jahren begleitet haben, im O-Ton gehört: "Der Ingo ist eine richtige Rampensau." In ihren Augen haben wir einen Schritt nach vorne gemacht. Das hat mich natürlich sehr gefreut und stolz gemacht. Das ist auch für uns Motivation, daran anzuknüpfen und den armen Jungen da vorne nicht verdursten zu lassen.

Ihr seid jetzt also alle Rampensäue geworden, was?
Peter: Jaaa...
Ingo: New Damage ist ein Rampensaustall.

Wie sieht es mit euren Texten aus? Diesen Part hast du jetzt wahrscheinlich übernommen, Ingo, oder?
Ingo: Ja, bisher war das so. Die Texte zu den neuen Stücken haben einen relativ persönlichen Hintergrund. Ich will einzelne Stücke jetzt auch gar nicht thematisch erklären. Mir war wichtig bei der ganzen Texterei, einen gewissen Aspekt zu haben, der frei interpretierbar ist, weil ich auch sehr gerne in die Texte von anderen Bands meine eigenen Sachen reinlese, sie für mich interpretiere. Das war mir wichtig. Vielleicht kann man die thematische Linie am ehesten mit dem Titel der CD erklären. Er lautet "Ze´eb And Oreb". Das sind zwei althebräische Wörter für Wolf und Rabe. Diese beiden Tiere als Symbol für uns zu benutzen, hat die Bewandtnis, dass sie in vielen Kulturen für Seelenwanderungen stehen, für Dinge, die sich verändern, für Tod und die Entstehung neuen Lebens. Sie geben das neue New Damage ganz gut wider.

Drei Wörter mit Lokalbezug. Eure Assoziationen, bitte!
Krefeld.

Thorsten: Ich finde es schade, dass sich unsere Stadtregierung, was Kultur betrifft, ein bisschen verrannt hat. Zum Beispiel, was die Kulturrampe angeht. Die Situation hat sich zwar jetzt geklärt, die Rampe kriegt die Räume, alles super. Aber ich finde es scheiße, dass Krefeld Energie und Geld in so eine Sache steckt wie "Wir machen die größte Postkarte der Welt", dafür aber die Kulturrampe monatelang in der Luft hängen lässt. Das geht gar nicht! Deswegen, schöne Grüße an Pille: Kulturrampe ist echt ein geiles Ding!

Kufa.
Christian: Wir haben uns immer als Kufa-Inventar gefühlt und dort schon die eine oder andere Gehirnzelle verloren.
Thorsten: Die Kufa war immer eine Plattform für uns, sie war immer eine Bühne für lokale Bands. Das hat sich mittlerweile geändert. Deswegen würde ich unser Verhältnis zur Kufa als ambivalent bezeichnen.

Königshofer.
Alle:Lecker Bier.
Ingo: Unser Proberaum-Bier.

Das ganze Interview im Vertical Magazin ab Seite 12.

Text: Agnes Absalon


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